Geschichte des Chronographen – 1776 bis Jetzt

Der Chronograph ist die beliebteste Komplikation bei mechanischen Armbanduhren. Die Funktion zur Kurzzeitmessung wird über Drücker auf der Gehäuseseite gestartet, gestoppt und zurückgesetzt. Der Chronograph ist nicht zu verwechseln mit dem Chronometer, dass eine Auszeichnung für besonders hohe Ganggenauigkeit ist.

Der Automatik-Chronograph wurde 1969 von Zenith erfunden, und erfreut sich inzwischen sehr hoher Beliebtheit. Das bekannteste Chronographen Automatik-Uhrwerk ist das ETA Valjoux 7750, dass auch als Basiskaliber gerne verwendet wird.

Definition Chronograph

Das Wort Chronograph heisst wörtlich übersetzt Zeitschreiber. Es leitet sich von den beiden griechischen Begriffen chrónos für „Zeit“ und gráphein für „schreiben“ ab. Eine bessere Bezeichnung wäre Chronoskop (chronos = „Zeit“ und skopeĩn = „betrachten“), da die Zeit mit Hilfe der Zeiger abgelesen wird.

Der Begriff Chronograph bezieht sich heute auf analoge Armbanduhren und lässt sich so definieren:

Ein Chronograph ist eine Uhr mit Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger, die eine Kurzzeitmessung (Stoppuhrfunktion) ermöglicht. Die Stoppfunktion kann mit Drückern in der Gehäusewand gestartet, gestoppt und auf die Nullposition zurückgesetzt werden.

Geschichte des Chronographen

Die Geschichte der Kurzzeitmessung reicht bis in 18. Jahrhundert zum Genfer Uhrmacher Jean Moïse Pouzait, der 1776 ein Uhr herstellte, deren Sekundenzeiger von einem separaten Federhaus angetrieben wurde und sich anhalten ließ.

Der nächste Schritt gelang 1816 dem französischen Uhrmacher Louis Moinet. Die Uhr hatte einen zentralen Sekundenzeiger, sowie ein weiteres Zifferblatt für Sekunden- und Minutenanzeige und ein Zifferblatt für die Stunden. Über die Drucktasten konnte die Kurzzeitmessung gestartet, gestoppt und zurückgestellt werden.

Erster Chronograph

Wir springen ins Jahr 1821, als der Franzose Nicolas Rieussec den ersten Chronographen vorstellt, und 1822 zum Patent anmeldet. Bei seinem Chronographen drehte sich Zifferblatt um einen feststehenden Zeiger, der gleichzeitig als Schreiber die Minuten und Sekunden mit unterschiedlichen Strichen aufgezeichnet hat.

Sein französische Kollege Frederick Louis Fatton – ein Schüler von Breguet – verbesserte den Chronographen zu einer Version mit feststehendem Zifferblatt und drehenden Schreib-Zeigern.

Erster Chronograph 1821 von Nicolas Mathieu Rieussec - Zeitschreiber

Erster Chronograph 1821 von Nicolas Mathieu Rieussec – Fondation de la Haute Horlogerie, Genève, Suisse – Photographie Dominique Cohas (CC BY 3.0)

Rattrapante bzw. Schleppzeiger

1831 entwickelte der begabte Österreicher Joseph Thaddäus Winnerl, seinerseits Mitarbeiter von Breguet, eine Uhr mit einem Sekundenzeiger, der einzeln angehalten werden konnte. Ihm ist auch der Chronograf mit zwei übereinander liegenden Sekundenzeigern zu verdanken.

Diezu werden in der Uhr zwei separate, jedoch miteinander verkoppelte, Stoppmechanismen gestartet und nach einandergestoppt. Die Zeitspanne lässt sich dann als Differenz errechnen. Dieser Doppelzeigermechanismus wird in der Fachsprache Rattrapante (Schleppzeiger) genannt und ist auch als „nachspringende Sekunde“ bekannt.

Das Nullstellherz

Der nächste Meilenstein gelang dem Franzosen Adolphe Nicole, der es 1844 geschafft hat eine unkomplizierte Nullstell-Funktion zu erfinden. Eine kleine herzförmige Scheibe ermöglicht es den Sekundenzeiger auf Knopfdruck zur Nullposition springen zu lassen.

Die erste bekannt Uhr, die diesen Mechanismus verwendet wurde jedoch erst 1862 auf der Weltausstellung in London präsentiert. Es gelang Henri Féréol Piguet, einem Mitarbeiter der Firma Nicole & Capt. einen Nullstell-Chronographen zu fertigen und die Funktion zum Patent anzumelden.

Kadratur auf Uhrwerkseite

Bei der Konstruktion von Piguet war die Kadratur (Schaltwerk) direkt unterhalb des Zifferblatts. Das erleicht natürlich die Montage, doch die Wartung, Justierung und Reparatur erfordern dann vollständige Demontage des Zifferblatts mit Zegern. Der Uhrmacher Auguste Baud entwickelte 1868 die werksseitige Anordnung des Chronographen-Mechanismus.

Chronographen mit Doppeldrücker

Anfang des 20. Jahrhundert wurde Chronographen-Mechanismus zwar weiter verkleinert und für Armbanduhren tauglich gemacht, die nächste echte Innovation fand jedoch erst 1933 statt. Bis zu dieser Zeit wurden Start-, Stopp- und Nullstellung-Funktion über einen einzigen Drücker gesteuert und waren daher zwangsläufig in dieser Reihenfolge geschalten.

1933 / 1934 präsentierte Breitling die ersten Chronographen mit zwei unabhängigen Drückern. Die Schweizer Chronographen-Spezialisten versahen den ersten Drücker mit der Start- und Stopp-Funktion und der Zweite diente ausschließlich der Nullstellung. Damit war es auch erstmals möglich den Messzeiger mehrmals anzuhalten und weiterlaufen zu lassen (Additionsstoppung).

12-Stunden-Zähler

1937 liessen sich die Entwickler von Universal Genève einen Chronogrpahen patentieren, der es ermöglichte mehr als 30 Minunten zu stoppen. Das Problem wurde zwar bereits über 40 Jahre zuvor theoretisch gelöst, aber erst 1938 kam dann auch ein Breitling-Chronograph mit Valjoux Kaliber, der den inzwischen bekannten 12-Stunden-Zähler hatte.

Kulissenschaltung

Der Mechanismus zur Schaltung des Chronographen wurde bis zu dieser Zeit über ein Säulenrad gesteuert. !937 entwickelte Dubois-Dépraz einen alternativen Mechanismus mit einer so genannten Kulissenschaltung. Diese kostengünstige Schaltung konnte ohne wenig Aufwand ausgetauscht und repariert werden.

Chronograph mit Automatikwerk

Der Chronograph wurde bereits über 120 Jahren verwendet, dennoch gab es bis in die 1940er noch keine Chronographen mit automatischem Aufzug. Die Herausforderung bestand darin, dass Chronograph und die Automatik mit Rotor den selben Platz an der Werk-Rückseite beanspruchen.

1946 präsentierten Albert Piguet und der Rohwerk-Hersteller Lémania gemeinsam den ersten Chronographen mit automatischen Aufzug. Von diesem Prototyp erfuhr auch Charles-Edouard-Heuer. Da die Verkaufszahlen der Chronographen in den Nachkriegsjahren jedoch zurückgingen, war ihm das Risiko dieser teueren Entwicklung zu groß.

Zenith Chronograhen Automatik-Uhrwerk Kaliber 400

Zenith Kaliber 400 – Unveränderter Nachfolger des „El Primero“ Kaliber 3019 von 1969

Projekt 99 in Le Locle

Anfang der 1960er setzten sich die beiden Konkurrenten Jack W. Heuer und Willy Breitling gemeinsam an den Tisch, um den Chronographen mit Innovation aus der Krise zu helfen. Da die beiden Uhrenmarken nur Etablisseure sind, wurden die Uhrwerkspezialisten Büren Watch SA und Dubois-Dépraz dazugeholt.

Diese vier Firmen Breitling, Heuer, Büren und Dubois-Dépraz haben 1965 gemeinsam das „Projekt 99“ vereinbart. Das Ziel des Projekts war die Entwicklung eines marktreifen Automatik-Chronographen.

Aktuelle Herren-Chronographen

Chronographen sind begehrt wie eh und je. Die technischen Meisterwerke haben sich in den letzten Jahren optisch wenig geändert. Zwei oder drei runde Funktionsaugen (Totalisatoren) verzieren das Zifferblatt und ermöglichen es Zeiten zu stoppen.

Nahezu jede Uhrenmarke offeriert mehrere Uhren mit der praktischen Stoppfunktion. Quarz-Chronographen mit analoger Anzeige sind bereits ab 30 Euro erhältlich. Wenn du einen Chronographen mit einem Automatikuhrwerk wird es teurer. Einfache Automatik-Chronographen sind bereits ab etwa 100 Euro erhältlich. Wenn du einen Swiss Made Chonographen mit ETA 7750 möchtest, dann wird ein 4-stelliger Betrag fällig. Dafür wird dich so ein Chronograph mit Swiss Made Uhrwerk viele Jahre begleiten.

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