Das Uhrenglas hat die Funktion, das Gehäuse einer Uhr vor Staub, Schmutz und anderen Störfaktoren zu schützen. Hierfür kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz, die in die Kategorien Kunststoffglas, Mineralglas und Saphirglas unterteilt werden. Jedes dieser Gläser hat unterschiedliche Anwendungsbereiche und auch in jeder der Gruppen existieren verschiedene Standards.

Je nachdem, für welchen Zweck der Zeitmesser konzipiert wurde, muss das hierfür verwendete Glas besondere Anforderungen erfüllen. Bei hochwertigen Uhren wird meistens das robustere Saphirglas verwendet. Die Vorteile und Nachteile der unterschiedlichen Uhrengläser erfährst du hier.

Ursprünge der Uhrenglasherstellung

Die ersten Fabriken für Uhrenglas entstanden in Europa in der Zeit von etwa 1830 bis 1840. Zwei der bekanntesten Manufakturen sind die “Chrystallerie de Vallerysthal” und die Firma “Walter Berger & Co.“. Diese Firmen erhielten von der Deutschen Spiegelglas AG – DESAG, Kolotten aus Rohglas (Kugelausschnitte). Diese Hütte für Tafelglas stellte reines optisches Glas, her das absolut farblos war. Es wurde in Bottichen in Häfen geschmolzen, von denen jeweils zehn Stück in einem Ofen standen. Ein Hafenofen war ein spezieller Ofen, der in Glashütten verwendet wurde.

1906 gründete die DESAG in Kooperation mit den Firmen Flume (Berlin) und Jakob (Leipzig) zwei eigene Fabriken für Uhrenglas. Diese firmierten unter dem Namen Jequier & Co. und entstanden in Frammont (Vogesen) sowie im schweizerischen Fleurier. Die Uhrengläser wurden unter der eigenen Markenbezeichnung “Elbe” vertrieben.

Konkurrenzkampfes und Gründung eines Syndikats

Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein Konkurrenzkampf um die Gläser für die Ausstattung von Uhrenfabriken, aber auch um die Gläser für den Großhandel mit Ersatzteilen. Nachdem die Preise verfielen, erfolgte 1912 eine Einigung zwischen Glasfabrikanten, Uhrenfabriken und des Großhandels.

Beschlossen wurde unter Federführung der Uhrenfirmen Junghans, Kienzle, Daub, Haller und Kollmar die Gründung eines Syndikates für Uhrenglas in Straßburg. Der Zusammenschluss nannte sich “Verreies Unies Strasbourg – VUS” und existierte so bis 1918.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Der Versailler Vertrag, der die Kapitulation Deutschlands am Ende des Ersten Weltkrieges besiegelte, führte zur Enteignung der Uhrenglasfabriken von Fleurier und Frammont. Bedingt durch Inflation und Mangel an Devisen gab es in Deutschland kein Uhrenglas mehr. Diese Not führte zur Gründung der “Deutschen Uhrenglasfabrik GmbH – DUF“. Da die DESAG sämtliche Anteile der neu gegründeten Firma besaß, war der Erhalt von Rohglas weiter sichergestellt.

Anfang der Zwanziger Jahre konnten täglich 50.000 bis 60.000 Uhrengläser produziert werden. Jedoch entwickelte sich zwischen dem Syndikat der Fabriken und der DESAG erneut ein Konkurrenzkampf, was schließlich dazu führte, dass 1927 die DUF in dieses Syndikat aufgenommen wurde. 1937 stieg die DUF jedoch hier wieder aus, konnte sich aber dennoch auf dem damaligen Markt behaupten. Die DUF spezialisierte sich jedoch anschließend auf die Herstellung von Rückspiegeln für Autos.

Kunststoffgläser aus Übersee

Während aus den USA immer mehr Kunststoffgläser auf den Markt drängten, untersagte die DESAG der DUF, Gläser aus Kunststoff anzufertigen. Ihr Direktor, Walter Krippendorff, gründete jedoch mit Dipl. Ing. Heinrich Münchmeyer die Firma “Dipl. Ing. Heinrich Münchmeyer”, die mit der Produktion von Kunststoffgläsern begann.

Werkstoffe für Uhrengläser

Als Werkstoffe für Uhrengläser wurden bereits von Anfang an ungehärtete Mineralgläser, auch als Silikatgläser oder Kristallgläser bezeichnet werden, verwendet. Während seit den dreißiger Jahren Kunststoffgläser aus Kunststofftafeln Anwendung fanden, werden seit den fünfziger Jahren Kunststoffgläser aus Granulat verwendet.

Seit den siebziger Jahren finden gehärtete Mineralgläser Anwendung und seit den achtziger Jahren gibt es Saphirgläser. Dabei erfolgt die Lieferung an die Uhrenindustrie ganz nach Wunsch des Uhrenherstellers. Die Verpackung erfolgte ursprünglich in Dutzend (12 Stück) oder in Groß (144 Stück). Mittlerweile werden Uhrengläser nach dem Dezimalsystem auf Tabletts geliefert.

Uhrengläser

Uhrengläser in verschiedenen Größen von Dipl.Ing.Kripp. (Eigenes Werk – CC BY-SA 3.0), via Wikimedia Commons

Kunststoffgläser für Uhren

Kunststoffgläser werden auf unterschiedliche Art hergestellt. Bei einer Variante wird flüssiger Kunststoff als Granulat durch hohen Druck in eine Form gepresst. Ist der Kunststoff hart geworden, muss lediglich noch die Einspritzstelle entfernt werden. Eine andere Herstellungsmethode ist, dass Kunststoffgläser aus schon fertigen Platten durch Erwärmung geformt werden. Diese Gläser bestehen aus dem Material “Polymethylmethacrylat – PMMA“. Gebräuchlichere Handelsnamen sind Acrylglas, Plexiglas oder Hesalithglas.

Kunststoffgläser sind sehr leicht und schlagfest. Aufgrund ihres niedrigen Härtegrades sind sie jedoch anfällig für Kratzer. Diese können jedoch durch ein Vulkanisierungsverfahren wegpoliert werden. Dabei wird ein Mittel auf das Glas aufgetragen, was das Glas leicht anlöst. Nach Einwirkung des Mittels kann das Kunststoffglas anschließend mit einem Tuch glatt poliert werden.

Weitere Eigenschaft von Kunststoffgläsern ist eine geringe Wasserdurchlässigkeit, weshalb solche Gläser, wenn sie bei Taucheruhren Verwendung finden, besonders dick sind. Um Verformungen von Kunststoffgläsern zu vermeiden, werden diese häufig “armiert” verbaut. Armierte Gläser haben an ihrer Basis einen Ring aus Metall, der die Verformung des Glases bei Wärme oder Ausübung von Druck verhindert.

Mineralglas für Uhren

Hier wird grundsätzlich zwischen unbehandeltem sowie gehärtetem Glas unterschieden. Das einfache, unbehandelte Mineralglas ist in etwa mit einem Fensterglas vergleichbar und trägt die chemische Bezeichnung Siliziumoxid (SiO2). Mineralglas kann durch Hinzufügen von Oxiden, wie Aluminiumoxid oder Boroxid veredelt werden. Das Glas erhält dadurch eine größere Unempfindlichkeit gegen Kratzer und bessere Härte.

Mineralgläser sind im Gegensatz zu Kunststoffgläsern, härter und nicht osmotisch. Ebenso haben sie die Eigenschaft, nicht zu vergilben. Allerdings können Mineralgläser auch brechen, wobei die Gefahr besteht, dass Glassplitter in das Uhrwerk gelangen können. Qualitativ hochwertiges Mineralglas sollte daher immer gehärtet sein, wodurch das Glas mehr Stoßresistenz und Widerstandsfähigkeit aufweist. Im Falle einer Beschädigung wird dadurch ein Splittern vermieden.

Saphirglas für Uhren

Saphirglas ist nicht nur das härteste, sondern auch das qualitativ hochwertigste Uhrenglas. Der Name Glas ist falsch, da es sich um kein Glas handelt. Saphirglas stammt von dem Mineral Korund ab. Für Saphirglas wird synthetischer Saphir verwendet. Der synthetische Saphir wird aus geschmolzenem Aluminniumoxid hergestellt. Mit einer Mohshärte von 9 ist das Material extrem hart. Lediglich Diamanten und Moissanit sind härter.

Saphirglas ist so hart, dass es durch kein anderes Material zerkratz werden kann. Gerade die optisch sehr hässlichen Kratzer werden so dank Saphirglas vermieden. Allenfalls handelt es sich um winzige Ablagerungen von Gegenständen, an denen das Glas möglicherweise geschrammt wurde.

Ein kleiner Nachteil von Saphirglas ist seine starke Lichtbrechung, woraus sich störende Reflexionen auf dem Uhrglas ergeben können. Daher entspiegeln einige Hersteller die Gläser entweder beidseitig oder von der Innenseite. Rohstoff und Bearbeitung von Saphirglas sind teuer. Dennoch hat sich Saphirglas grade bei fast allen Uhren inzwischen als Standard durchgesetzt. Bei Automatikuhren wird gerne ein Saphirglas-Boden verwendet, der dir einen Blick auf das mechanische Uhrwerk ermöglicht.

Vorteile von Saphirglas:

  • Extrem hitzefest, druckfest, kratzfest und säurebeständig
  • Farbiges Saphriglas für coole Effekte
  • Relativ günstig, und bereits bei Uhren bis 100 Euro verbaut

Uhren mit Saphirglas und Glasboden

In den doppelten Genuss von Saphirglas kommst du bei vielen mechanischen Armbanduhren. Wenn es sich nicht gerade um eine Taucheruhr mit verschraubten Boden handelt, dann stehen die Chancen gut, dass oben und unten Saphirglas verbaut wurden. Damit ist deine Armbanduhr von beiden Seiten vor Kratzern geschützt und du hast Einblick in die Mechanik des Uhrwerks. Gerade bei Schweizer Uhrenmarken wird in der Regel immer Saphirglas verbaut. Bei etwas günstigeren Automatikuhren wird häufiger Mineralglas verwendet.

Die Herstellung von Uhrenglas heute

Im Bereich der Herstellung und Belieferung von Uhrenfabriken gibt es heute verschiedene Unternehmen. Jedoch ist die Firma “Münchmeyer Sternkreuz GmbH & Co.” im Bereich der Lieferung von Ersatzteiluhrengläsern weltweit führend. Das Unternehmen hat zahlreiche Wettbewerber, die auch Furniturenglas (Glas für die Möbelherstellung) fabrizierten, übernommen und neben seiner Eigenmarke noch die Marken “Verlux” und “Stella” vertrieben. Heute werden Schweizer Uhrenmarken hauptsächlich von heimischen Herstellern beliefert, während die Uhrenhersteller der übrigen Welt aus China beliefert werden.

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Letzte Aktualisierung am 23.04.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API